Berthold Goldschmidt:
Komponist und Dirigent.
Ein Musiker-Leben zwischen Ham­burg, Berlin und London.

Hrsg. v. Peter Petersen in Zus.-Arb. mit d. Arbeitsgruppe Exilmusik am
Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg
mit einem Nachtrag von Barbara Busch.
Zweite, erweiterte und korrigierte Auflage, 
ISBN 978-3-932696-50-3; 248 S., 25,00 EURO
(= Musik im "Dritten Reich" und im Exil, Bd. 7)


Der 1903 in Hamburg geborene Komponist und Dirigent Berthold Goldschmidt galt bereits in den 20er Jahren als vielversprechendes Talent. 1925 hatte der 22-jährige den Mendelssohn-Staatspreis für Komposition erhalten.
Der Schüler Franz Schrekers erlebte 1932 in Mannheim mit seiner Oper Der gewaltige Hahnrei einen großen Erfolg. Das Stück wurde für die darauffolgende Spielzeit in Berlin angesetzt, infolge der Machtübergabe an die Nazis aber wieder vom Spielplan genommen. Damit war Goldschmidts "erste" Karriere beendet.
1935 floh Berthold Goldschmidt vor den Nazis nach England. Er schlug sich zunächst mit Musikunterricht durch, da ihm eine offizielle Arbeit verboten war. Im Krieg begann er für die BBC zu arbeiten und war für Musiksendungen über Künstler und Komponisten zuständig, die in Deutschland verboten waren. Trotz großer Schwierigkeiten, als Komponist und Dirigent Aufträge und Anstellungen zu finden, gewann er 1951 in London einen Preis mit seiner Oper Beatrice Cenci und machte sich in den folgenden Jahren als Mahler-Dirigent einen Namen. Zu den Höhepunkten seiner "zweiten" Karriere gehörte die Uraufführung von Mahlers Zehnter in der Fassung von Deryck Cooke, die er 1964 in London dirigierte.
In Deutschland zeigte sich erst seit 1987 ein neu erwachtes Interesse an der Musik Berthold Goldschmidts.
Damit begann seine "dritte Karriere". Opernaufführungen, Konzerte, Dokumentarfilme, Rundfunk- und Fernsehsendungen und CD-Produktionen würdigten endlich das Werk dieses Komponisten. Daß der Komponist die Ur- und Wiederaufführungen seiner Werke - darunter die des Hahnrei 1994 in Berlin - am Ende seines Lebens noch erfahren durfte und hieran aktiv Anteil nahm, war ihm eine große Genugtuung. Berthold Goldschmidt verstarb 1996.
Der vorliegende Band ist zu Lebzeiten Goldschmidts auf der Grundlage von mehr als 30 Gesprächen und Interviews entstanden. Die Hamburger "Arbeitsgruppe Exilmusik" verfaßte unter Leitung von Peter Petersen und in Zusammenarbeit mit dem Komponisten hieraus einen Lebensbericht - eine Art Autobiographie in Frageform, die von Goldschmidt schließlich überarbeitet wurde.
Der Band "Komponist und Dirigent" erschien erstmals 1994 auf der Grundlage dieser autorisierten Fassung. Es ist "ein ganz eigenes Kapitel in der Geschichte der musikalischen Exilforschung", urteilte die "Neue Zürcher Zeitung". Und die "Westdeutsche Zeitung" schrieb über Goldschmidts Lebensbericht: "Lebhaft erzählend, mit phänomenalem Gedächtnis, führt er den Leser durchs musikalische Jahrhundert, reich an Anekdoten und Kuriosa. Dazu sind feine Aufsätze von ihm (gestellt), u.a. über Rossini, Brahms, Mahler u.a. (...) - Raritäten."
Das "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt" schrieb über den kulturhistorischen Quellenwert dieses Lebensberichtes eines ins Exil getriebenen und späte "Wiedergutmachung" erfahrenden Komponisten: "Das Buch hält allen nationalen Identitäten einmal mehr den selbstverschuldeten Verlust vor Augen, den deutsche Kultur dieses Jahrhunderts erfahren hat. Allerdings: zugunsten einer europäischen Identität."

Anläßlich des 100sten Geburtstages von Berthold Goldschmidt liegt dieser Band in einer zweiten, korrigierten und erweiterten Auflage wieder vor.
Goldschmidt erzählt von seinem Leben und legt Zeugnis ab von seiner Epoche. Eine Familienchronik und Texte zur Musik ergänzen die autobiographischen Schilderungen. Ein Beitrag über die Goldschmidt-Rezeption, bis ins Jubiläums-Jahr 2003, von Barbara Busch, ein Werkverzeichnis und ein kommentiertes Personenregister runden den Band ab.

Die Arbeitsgruppe Exilmusik - eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg, stellt sich und ihre Aktivitäten auf folgender Homepage vor:
www.exilmusik.de

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Näher Informationen über die:
Schriftenreihe Musik im "Dritten Reich" und im Exil
(Bitte hier mit der Mouse-Taste anklicken)


Hamburg, 
Steinstraße 12:
Am 18. Januar 2003 wäre Goldschmidt 100 Jahre alt geworden. Die 'Patriotische Gesellschaft von 1765' nahm das Jubiläum zum Anlaß, eine Gedenktafel für den Komponisten am Ort seiner Geburt anzubringen.

Wo einst das 'Betten-Special-Geschäft M. Goldschmidt & Söhne' untergebracht
war, befindet sich heute das Verwaltungsgebäude der 'S-Bahn Hamburg GmbH'.

Goldschmidt berichtet:

1903, als meine Großmutter starb und ich geboren wurde, war das Geschäft in der Steinstraße 12, also in der Altstadt. In diesem Haus bin ich auch zur Welt gekommen. Nach der Sanierung der Altstadt und der Errichtung der Mönckebergstraße mit dem repräsentativen Barkhof (der heute noch steht) zog die Firma im Barkhof ein. Unsere Privatadresse hatte sich schon 1906 geändert. Wir wohnten jetzt Große Allee 2 a, der heutigen Adenauerallee, und ab 1912 am Mühlendamm 44. Von der Wohnung in der Großen Allee aus habe ich übrigens als Dreijähriger den Brand der Michaeliskirche, des Hamburger Wahrzeichens, erlebt. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als der brennende Turm in sich zusammenstürzte.


 

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Weitere Links zum Leben und Werk des Komponisten Berthold Goldschmidt:

Goldschmidt-Seite des Notenverlags Boosey & Hawkes:
http://www.boosey.com/pages/cr/composer/composer_main.asp?composerid=2697

Verlagsanzeige des BIS-Verlags, Oldenburg, zu Barbara Buschs Arbeit über Berthold Goldschmidts Opern:
http://docserver.bis.uni-oldenburg.de/publikationen/bisverlag/2001/busber00/busber00.html

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